Bericht im Hosteinischen Courier Donnerstag 22. Juni 2023
Alexandra Bury
So tief ist die Kluft wirklich
Boostedt: Nach schweren Differenzen verlässt der ehemalige Bürgermeisterkandidat Wolfgang Brückner die CDU endgültig
Wie tief die Kluft zwischen der CDU in Boostedt und ihrem ehemaligen Fraktionskollegen Wolfgang Brückner ist, wurde auf der konstituierenden Gemeindevertretersitzung in Boostedt deutlich. In der Bürgerfragezeit stellte CDU-Ortsverbandsvorsitzender Jürgen Dethlefsen vor mehr als 100 Besuchern klar: „Herr Brückner, Sie wissen, dass Sie gegen Richtlinien verstoßen. Wenn Sie bei der UWB eine neue Heimat gefunden haben, sollten Sie Ihre alte Heimat verlassen.“
Es geht dabei um den Vorwurf, dass Wolfgang Brückner in einer doppelten Parteizugehörigkeit sowohl Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Boostedt (UWB) als auch beim Kreisverband der CDU Neumünster war. Damit verhalte sich Brückner satzungswidrig, meinte Dethlefsen auf Nachfrage und berief sich dabei auf den Paragrafen zehn, Absatz eins, der CDU-Landessatzung. In dem genannten Absatz geht es um Ausschlussgründe aus der Union bei parteischädigendem Verhalten. Demnach verhält sich „parteischädigend insbesondere, wer zugleich einer anderen politischen Partei innerhalb des Tätigkeitsgebiets der CDU oder einer anderen politischen, mit der CDU konkurrierenden Gruppierung oder deren parlamentarischen Vertretung angehört“. Jürgen Dethlefsen erklärte seine Äußerung vor Publikum so: „Ich finde, dass diese Tatsache wichtig ist und die Bevölkerung das wissen sollte.“
In derselben Sitzung hatte CDU-Sprecherin Kathrin Sawade bereits deutlich gemacht, dass sich ihre Fraktion von Wolfgang Brückner distanziert. Sie hatte nämlich bei der Wahl zum ersten stellvertretenden Bürgermeister – vorgeschlagen war Wolfgang Brückner – eine Gegenkandidatin aus der UWB vorgeschlagen. „Wir haben aktuell nicht das Vertrauen in ihn, das nötig wäre“, erklärte Sawade.
CDU-Mitgliedschaft am Montag gekündigt
Wolfgang Brückner nahm während der Gemeindevertretersitzung nicht öffentlich Stellung, er erklärte auf Nachfrage: „Da es sich um meine persönliche Angelegenheit handelte, sah ich keine Veranlassung, mich in einer Gemeindevertreterversammlung öffentlich zu äußern und dem Ansehen einer Partei und der Unabhängigen Wählergemeinschaft Boostedt (UWB) zu schaden.“ Zum Vorwurf erklärte er, dass er am Montag seine Mitgliedschaft in der CDU gekündigt habe. Hauke Hansen, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Neumünster, bestätigte weder einen Aus- noch Eintritt Brückners bei der CDU und erklärte mit Bezug auf die Datenschutzgrundverordnung: „Da aus einer Parteimitgliedschaft eine politische Meinung ableitbar ist, ist es der CDU und mir als Vorsitzendem selbstverständlich untersagt, über Mitgliedschaften in der CDU Auskunft zu geben.“
Er wies aber auf die CDU-Satzung hin, wonach die Mitgliedschaft in einer anderen politischen, mit der CDU konkurrierenden Gruppierungen die Mitgliedschaft in der CDU ausschließe.
Weiter erklärte er, dass parteischädigendes Verhalten vorliegen könnte, sollte jemand Mitglied der CDU sein und gleichzeitig einer Wählergemeinschaft angehören.