Bericht im Hosteinischen Courier Freitag 30. Juni 2023
Alexandra Bury
„Ich lasse mich nicht einschüchtern“
Hartmut König ist seit zehn Jahren Bürgermeister in Boostedt und hat in dieser Zeit nicht nur positive Erfahrungen gemacht.
Das Ehrenamt des Bürgermeisters bietet in der Gemeinde Boostedt mit seiner Konversionsfläche, der Landesunterkunft für Flüchtlinge und der Justizvollzugsschule ganz besondere Herausforderungen. Über Schelte, Bauchentscheidungen und Hol-Pflichten spricht Boostedts Bürgermeister Hartmut König (64) im Freitagsinterview. Der CDU-Mann und Goldschmied ist seit zehn Jahren Gemeindechef und wurde für fünf weitere Jahre gewählt.
Herr König, Sie haben Ihre dritte Amtsperiode als Bürgermeister begonnen. Ist das ehrenamtlich überhaupt noch machbar?
Tatsächlich ist das ehrenamtlich kaum zu stemmen. Ich hatte in meiner berufstätigen Zeit als angestellter Goldschmied in Hamburg extra einen freien Tag und einen Tag als Homeoffice einrichten können. Was man nicht sieht: Die wirkliche Arbeit spielt sich nicht in den abendlichen Sitzungen ab, sondern in endlosen Telefonaten, Gesprächen mit Verwaltung, Behörden, Ministerien, der Kita, der Schule und dem Runden Tisch. Der Arbeitsaufwand macht zwar ein Hauptamt wünschenswert, aber dann muss damit gerechnet werden, dass den Posten jemand übernimmt, der nicht mit Boostedt verwurzelt ist. Außerdem würde das die Gemeinde viel Geld kosten. Seitdem ich in Rente bin, plane ich neben den Sitzungen und spontan einlaufenden Telefonaten jeden Vormittag zwei bis drei Stunden für die Bürgermeistertätigkeit ein.
Wenn etwas im Ort schiefläuft, steht häufig der Bürgermeister in der Kritik. Wie gehen Sie damit um?
Sachliche Kritik nehme ich wahr und versuche, sie einzubeziehen. Nun bin ich allerdings nicht für alles verantwortlich, was in Boostedt passiert. Zum Beispiel entscheide ich nicht über die Zukunft der Landesunterkunft für Flüchtlinge, das wird letztlich in Kiel entschieden. Aber einige haben mich allein dafür verantwortlich gemacht und sind in ihrem Unmut so weit gegangen, mich zu bedrohen. Das traf auch meine Familie und ging eindeutig zu weit. Allerdings lasse ich mich nicht einschüchtern und stehe nach wie vor dafür ein, dass die Einrichtung aus humanitärer und finanzieller Hinsicht wichtig ist. Ich sehe mich als Vermittler zwischen dem Land und unserer Kommune. Das ist mitunter kräftezehrend, denn wir müssen Kompromisse schließen.
Wie schätzen Sie das Interesse in Boostedt an der Kommunalpolitik ein?
Mit Blick auf die Wahlbeteiligung und mit Blick auf die wenig besuchten Ausschuss- und Gemeindevertretersitzungen muss ich sagen: Demokratie ist auch eine Hol-Pflicht. Die Sitzungen sind öffentlich, und sie werden öffentlich bekannt gegeben, die Einwohner haben die Möglichkeiten zur Fragestellung – es wäre wünschenswert, wenn mehr Menschen sich über Beschlüsse und auch die Abläufe informieren würden. Nicht alle wissen zum Beispiel, dass die Gemeinde für die geflüchteten Menschen finanzielle Zuweisungen bekommt und dass die Justizvollzugsschule mit ihren Auszubildenden Kaufkraft bringt und denkmalgeschützte Gebäude belebt.