PLÄNE FÜR DIE RANTZAU-KASERNE

LN-001 Korrektur

 

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 25.02.2015

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 25.02.2015

Fünfjahre werden nicht garantiert HC 25022015-001 Fünfjahre werden nicht garantiert HC 25022015-002
Kommentar Holsteinischer Courier vom 19.02.2015

Kommentar Holsteinischer Courier vom 19.02.2015

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 19.02.2015

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 19.02.2015

SZ 27112014001

Segeberger Zeitung vom 27.11.2014

Pressemitteilung HC 21112014001

Pressemitteilung HC 21.11.2014

Pressemitteilung HC 14112014001

Pressebericht Holsteinischer Courier vom 14.11.2014

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Pressemitteilung: Holsteinischer Courier vom 04.11.2014

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 22.10.2014

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 22.10.2014

BOOSTEDTThema Flüchtlinge: Aufklärung gegen die Angst

vom 18. Oktober 2014
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Verein für Toleranz und Zivilcourage aus Neumünster warnte in Boostedt vor rechtsradikalen Aktionen gegen Asylbewerber. Ein anonymes Schreiben beschäftigt die Ortspolitiker.

Angelika Beer, Jonny Griese (Mitte) und Peter Matthiesen vom Verein für Toleranz und Zivilcourage aus Neumünster verteilten gestern in Boostedt Infozettel und Aufkleber gegen Neonazis.

Angelika Beer, Jonny Griese (Mitte) und Peter Matthiesen vom Verein für Toleranz und Zivilcourage aus Neumünster verteilten gestern in Boostedt Infozettel und Aufkleber gegen Neonazis.

BOOSTEDT | Mit einer „Flugblatt- und Aufklärungsaktion gegen Rechts“ warnten gestern Nachmittag in Boostedt Mitglieder des Vereins für Toleranz und Zivilcourage ausNeumünster vor ausländerfeindlichen Tendenzen. Hintergrund der Initiative  war eine Flugblattaktion der rechtsextremen NPD Segeberg. Die hatte am Rande der Einwohnerversammlung zur geplanten  Asylbewerberaufnahmestelle in Boostedt am 8. Oktober    Hetzschriften  gegen Flüchtlinge in zahlreiche Briefkästen in der Gemeinde sowie unter Autoscheibenwischer gesteckt  (der Courier berichtete). Außerdem sorgt zurzeit ein anonymes Schreiben für Gesprächsstoff, das an Ortspolitiker und Medien geschickt wurde und   im weitesten Sinn vor Überfremdung warnt.

Zwei  Stunden lang verteilten   gestern fünf Vereinsmitglieder an einige hundert Haushalte rund um die Feld- und Bahnhofstraße in Boostedt neben einem Infoblatt auch einen Aufkleber für den Briefkasten – die Aufschrift:   „Dieser Briefkasten ist kein Ort für Neonazis.“ Im Kleinkaufhaus und der Zentrale von Tackmann  können  Interessierte noch  Flugblätter und Aufkleber bekommen.

„Wir wollen versuchen, aufzuklären und  so  Ängste zu relativieren“, erklärte Jonny Griese, Vorstandsmitglied des Vereins für Toleranz und Zivilcourage. Er sagte weiter: „Wir können die Sorgen der Boostedter wegen einer so  einschneidenden Veränderung nachvollziehen. Aber Neumünster ist ein Beispiel dafür, dass es mit einer Asylbewerberunterkunft funktionieren kann. Man muss aufhören, Ängste zu schüren.“ Die Landtagsabgeordnete der Piraten, Angelika Beer, meinte: „Wünschenswert wäre es, wenn sich in Boostedt eine Willkommenskultur aufbaut.“

Die erste von weiteren geplanten Aufklärungsaktionen stieß in der Gemeinde gestern offenbar auf positive Resonanz: „Das ist eine gute Sache. Den Aufkleber mache ich auf unseren Briefkasten“, meinte ein Boostedter Familienvater. Peter Matthiesen vom Verein sprach zum Abschluss von einer „gelungenen Aktion.“ Angelika Beer fasste zusammen: „Im Gespräch mit Bürgern wurde der Wunsch nach regelmäßiger Information über den aktuellen Stand deutlich.“

Denn eines ist sicher: Die  Verunsicherung über die geplante Asylbewerberaufnahmestelle in der Rantzau-Kaserne ist in Boostedt nach wie vor groß – insbesondere, seit die anvisierte Zahl von 250 auf 500 Flüchtlinge erhöht wurde. Mittlerweile ist zum Beispiel  ein  anonymes Schreiben aufgetaucht, in dem der oder die Verfasser  im weitesten Sinne vor einer Art Überfremdung warnen.   Anhand  zahlreicher Beispiele wird eine überdurchschnittliche Belastung der Boostedter angeführt, wenn tatsächlich rund 500 Flüchtlinge in die 4600 Einwohner starke Gemeinde kämen.  Der  Absender schlägt deshalb eine „Einwohnerbefragung vor, ob die Bürger mit der Zuweisung von über 250 bis 500 und mehr Asylanten einverstanden sind“. Unterzeichnet ist  der zweiseitige Brief mit „Besorgte Bürger aus Boostedt“.  Er wurde an den  Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden sowie die örtlichen Medien verteilt.

Bürgermeister  Hartmut König (CDU) bestätigte auf Anfrage, dass er das Schreiben im Briefkasten hatte.  „Ich nehme die Ängste ernst. Doch wo soll ich bei einem anonymen Schreiben ansetzen? Es ist völlig unklar, wer und wie viele Personen dahinter stecken.  Erst wenn sich die Absender offen zu dem Brief bekennen, kann man nach Lösungen suchen“, sagte König.  Er hält weiter daran fest, die Bürger so bald wie möglich in einer weiteren Einwohnerversammlung zu informieren. „Allerdings habe ich zurzeit noch nichts Neues. Es wird  noch eine Weile dauern“, sagte König.

von Alexandra Bury

erstellt am 18.Okt.2014 | 08:00 Uhr

 Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 17.10.2014

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Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 10.10.2014

SZ SH-001 Korrektur

Lübecker Nachrichten Kreis Segeberg Teil:

In der heutigen Ausgabe zur Boostedter Einwohnerversammlung:

Boostedt

Flüchtlinge: Negativer Unterton in Boostedt

Zum 1. Januar kommen die ersten der insgesamt 500 Flüchtlinge in die Rantzau-Kaserne. Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) musste sich in Boostedt kritischen Fragen der Bürger stellen.

09.10.2014 23:11 Uhr

Lübecker Nachrichten Kreis Segeberg Teil-001 Korrektur Korrektur

In der ehemaligen Kaserne in Boostedt sollen ab Januar insgesamt 500 Menschen eine Zuflucht finden.

© Carsten Rehder/dpa

Boostedt. Es werden zu Anfang keine 500 sein, aber die ersten Flüchtlinge werden zum 1. Januar in die Rantzau-Kaserne einziehen, informierte die neue Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Mittwochabend auf einer Einwohnerversammlung in Boostedt. Das Thema bewegt die Gemeinde. Bereits eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn musste der Hof Lübbe wegen Platzmangels geschlossen werden. „Eine Deckelung unterhalb der 500 wird es aber nicht geben“, verdeutlichte Söller-Winkler. Dafür musste die Staatssekretärin des Innenministeriums viel Kritik einstecken. Die Gemeindevertretung hat einen Beschluss gefasst, in dem sie eine Begrenzung von 250 Bewohnern in der Kaserne fordert. „Ich finde es nicht gut, wie lapidar Sie über unseren Beschluss hinweggehen“, meldete sich etwa Wolfgang Brückner, CDU-Fraktionsvorsitzender in Boostedt. Er blieb damit nicht allein. „Wir stehen vor Flüchtlingsströmen, die für uns nicht vorstellbar waren“, entgegnete Söller-Winkler. Es werde nach weiteren Unterkünften gesucht und die Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster erweitert. „Aber wir müssen gucken, wie wir auskommen.“ Deshalb sei es auch nicht möglich, eine zeitlich befristete Nutzung auf fünf Jahre zu garantieren. „Unabhängig davon, was mein Vorgänger gesagt hat.“

Die Staatssekretärin arbeitete vor gut 300 Zuhörern den Fragenkatalog der Gemeinde ab: Es wird eine medizinische Versorgung geben, Betreuungsangebote sollen aufgebaut werden für Kinder wie Erwachsene. Ein Caterer übernimmt die Verpflegung, am Brandschutzkonzept wird bereits gearbeitet. Die Polizei vom 1. Revier Neumünster wird für Boostedt zuständig und mit Beamten vor Ort sein.

Das Thema Kriminalität schien die Fragen der Boostedter zu dominieren. Dass in Neumünster kein signifikanter Anstieg der Kriminalität aufgrund der Vielzahl der Flüchtlinge zu verzeichnen sei, wollten einige Boostedter offenbar nicht glauben, kommentierten entsprechende Aussagen mit Gelächter. Söller-Winkler und Bürgermeister Hartmut König (CDU) riefen mehrfach zur Sachlichkeit auf.

„In 2014 hatten wir elf Einsätze in der Unterkunft Neumünster, weil sich mal zwei Personen gestritten haben“, betonte Revierleiter Dieter Jung. „Und wie sieht es im Umfeld aus?“, fragte einer im Publikum. Laut Jung habe es in Neumünster knapp 50 leichtere Delikte gegeben. „Das ist aus polizeilicher Sicht verschwindend gering“, so Jung. „Aber nicht für Boostedt!“, meldete sich ein Zwischenrufer.

Auch um die Immobilienpreise machen sich einige Boostedter Sorgen, sie sehen bereits ihre Haus-Finanzierung in Gefahr. Genährt wurde dies von Frank Natusch, Vorstand der Baugenossenschaft Holstein eG. Er bestätigte im Saal, dass die Planungen für ein Wohnprojekt in Boostedt aufgeschoben wurden — wegen der Asylbewerberunterkunft. Man sei auf die 100-prozentige Vermietung angewiesen.

Der negative Unterton in der Diskussion zog sich durch den Abend. Ein Zuhörer machte sich Sorgen um mögliche radikale Ausländer unter den Asylbewerbern, ein anderer fragte die Staatssekretärin, was sie dazu sage, dass nur zehn von 27 EU-Staaten überhaupt Flüchtlinge aufnehmen.

Schließlich summierte ein Gast gar auf, wie viele Flüchtlinge in den kommenden fünf Jahren nach Boostedt kämen: 20000. „Ich kann ihre Schlussfolgerung nicht nachvollziehen“, reagierte darauf Söller-Winkler. „Setzen Sie diese Durchlaufberechnung auch bei Touristen an?“

Zu allem Überfluss verteilte vor der Tür die NPD Flugblätter mit Texten, in denen die Angst vor drohender Kriminalität durch Asylbewerber geschürt wird — unter Nennung von zwei Einzelbeispielen aus Bad Oldesloe und Köln.

Schließlich platzte der Boostedterin Lisa Niwinski der Kragen: „Ich wohne im Neubaugebiet.“ Zu Beginn sei dort fast jede Nacht irgendwo eingebrochen worden. „Es wurde alles geklaut. Und das waren bestimmt keine Asylbewerber.“ Für ihren Einwand gab es viel Beifall.

1,3 Millionen Euro für Asylunterkunft

Die Sanierung der maroden Asylunterkunft des Kreises in Schackendorf kann bald beginnen. Der Förderbescheid des Landes ist da, verkündete Landrat Jan Peter Schröder am Mittwochabend in Boostedt: „Ich hatte ihn heute schon in der Hand.“
Auf knapp 1,3 Millionen Euro beläuft sich die Förderung. „Das sind die angekündigten 70 Prozent der förderfähigen Kosten“, so Schröder. Die Investitionssumme beläuft sich auf knapp 1,9 Millionen Euro. Das Leistungsvergabeverfahren könne nun beginnen. „In diesem Jahr fangen wir aber nicht mehr an zu bauen.“ Baustart sei dann im Frühjahr — je nach Wetterlage. Etwa 90 Asylbewerber leben derzeit in der überfüllten Unterkunft, die nun umfassend saniert und auch um einige Plätze erweitert wird.
Während der Bauarbeiten müssen die Bewohner anderweitig untergebracht werden. Schon jetzt haben die Ämter Probleme, genügend Wohnraum für die stetig steigende Anzahl an Flüchtlingen zu finden. Die angekündigte Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt (siehe Bericht oben) wird eine Entlastung für den ganzen Kreis bedeuten. Wie Evelyn Jäger, Referatsleiterin im Innenministerium, in Boostedt versicherte, werden die in der Kaserne aufgenommenen Asylbewerber auf die Aufnahmequote des Kreises angerechnet. Das sei gesetzlich vorgesehen.
Für dieses Jahr rechnet man für den Kreis Segeberg mit 630 Flüchtlingen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 wurden 327 Asylbewerber aufgenommen.

BOOSTEDT:250 Boostedter wollten Infos zur Asylunterkunft

vom 9. Oktober 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hof Lübbe platzte gestern Abend aus allen Nähten. Viele standen bei der Einwohnerversammlung vor der Tür, als es um die Flüchtlingsunterkunft in der Rantzau-Kaserne ging.

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Foto: Steinhausen

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BOOSTEDT | Die geplante Asylunterkunft in der Rantzau-Kaserne brennt den Boostedtern unter den Nägel. Rund 250 Bürger wollten sich gestern Abend auf der Einwohnerversammlung im Hof Lübbe informieren. Schnell platzte der Raum aus allen Nähten. Zirka 40 Besucher mussten vor der Tür bleiben. Es wurde einfach zu eng. Sogar Fernsehteams und Radiosender waren vor Ort.

Neben Bürgermeister Hartmut König (CDU) standen die Staatssekretärin im Innenministerium, Manuela Söller-Winkler, und Ulf Döhring, Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Rede und Antwort. Auch Jan Peter Schröder, Landrat des Kreises Segeberg, Evelyn Jäger, Referatsleiterin im Innenministerium sowie der Leitende Verwaltungsbeamte Sven Plucas stellten sich unter anderem den Fragen.

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Bis zu 500 Flüchtlinge sollen ab Januar 2015 in vier Blöcken der Boostedter Kaserne untergebracht werden. Fünf Jahre soll die Kaserne als Unterkunft dienen. Boostedt ist dann Zweigstelle der überfüllten Neumünsteraner Landesunterkunft am Haart.

Für Zündstoff sorgte auch, dass die Baugenossenschaft Holstein (BGH) den Bau einer Seniorenwohnanlage an der Bahnhofstraße in Kasernennähe zunächst für sechs Monate auf Eis gelegt hat (der Courier berichtete). Die BGH argumentiert, man wolle sehen, wie sich die Situation entwickle, bevor man investiere.

von Susanne Otto
erstellt am 09.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 25.09.2014

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Pressemitteilung: Segeberger Zeitung vom 24.09.2014

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BOOSTEDT:„Wir fühlen uns überrumpelt“

vom 24. September 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Gemeinde kritisiert Informationspolitik des Landes und verabschiedet eine Petition: Es sollten nicht mehr als 250 Flüchtlinge nach Boostedt kommen.

Die Boostedter Gemeindevertreter verabschieden auf ihrer außerordentlichen Sitzung in der Schulaula die Petition an das Land Schleswig-Holstein.  Foto: Voiges

Die Boostedter Gemeindevertreter verabschieden auf ihrer außerordentlichen Sitzung in der Schulaula die Petition an das Land Schleswig-Holstein.
Foto: Voiges

BOOSTEDT | Jetzt ist es Fakt: Auf der Boostedter Gemeindevertretersitzung am Montagabend gab der Staatssekretär des Innenministeriums, Bernd Küpperbusch, bekannt, dass die Bundeswehr den Weg frei gemacht hat.Das Land wird in der Boostedter Rantzau-Kaserne für die kommenden fünf Jahre bis zu 500 Asylsuchende unterbringen.

„Laut Aussage der Bundeswehr können ab dem 1. November bestimmte Bereiche freigegeben werden“, erklärte Küpperbusch auf der außerordentlichen Sitzung, zu der auch rund 90 Besucher in die Mensa der Schule gekommen waren.

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BOOSTEDT:Ulf Döhring leitet die neue Außenstelle

Nach dem Willen der Landesregierung sollen dann in den Unterkünften, als Zweigstelle der zentralen Aufnahmestelle in Neumünster, bis zu 500 Flüchtlinge untergebracht werden. Geplant ist dazu, das Gelände mit einem Zaun vom Kasernengelände abzugrenzen. Der Zugang soll dabei von Norden über die Straße erfolgen, die zum Truppenübungsplatz führt.

Der Mietvertrag für das Gelände wird jedoch von vornherein mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) geschlossen, da die Bundeswehr die Kaserne Ende 2015 aufgeben wird.

„Die Einrichtung soll als zeitlich begrenzter Parallelbetrieb zur Aufnahmestelle in Neumünster eingerichtet werden. Eine dauerhafte Nutzung ist nicht vorgesehen, da die Zentrale im Haart zeitnah auf 800 bis 850 Plätze ausgebaut werden soll“, erklärte der Staatssekretär.

Unter den Gemeindevertretern sowie auch unter den Boostedter Bürgern herrschte während der Sitzung allgemeine Einigkeit darüber, dass man humanitäre Hilfe leisten wolle. „Wir empfinden dies als unsere menschliche Aufgabe, der wir uns stellen wollen. Unser Ziel ist es, eine einheitliche Position in der Gemeinde herzustellen“, schickte Bürgermeister Hartmut König (CDU) voraus.

Deutlich kritisiert wurde jedoch die Informationspolitik der Landesregierung. „Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Mit uns hat keiner vorher gesprochen. Wir fühlen uns überrumpelt. Es wäre angebracht, dass sich hier Herr Breitner als Innenminister einmal selbst zeigt und uns sein Vorhaben erklärt“, hieß es dazu von mehreren Seiten.

Besorgt äußerten sich viele Zuhörer zudem über die Größenordnung der geplanten Einrichtung. „In einer Stadt mit rund 80000 Einwohner werden 450 Asylbewerber untergebracht und in einer Gemeinde mit 4600 Einwohnern sollen 500 Flüchtlinge aufgenommen werden. Das steht doch in keinem Verhältnis“, kritisierte Gemeindevertreter Wolfgang Brückner (CDU).

Letztlich bewegten die Zuhörer jedoch auch viele praktische Fragen zur Versorgung und zum Umgang mit den Asylbewerbern. Von zentraler Bedeutung war dabei die Frage, wie das Land eine umfassende Betreuung der Flüchtlinge sicherstellen will. Werden genug Ärzte da sein? Wie werden die Menschen beschäftigt? Kann man traumatisierten Menschen überhaupt zumuten, in einer aktiven Kaserne zu leben? Und, wie wird eigentlich der Brandschutz in der Kaserne sichergestellt? Diese Fragen gehörten zu den Sorgen der Anwesenden.

Zudem wurden jedoch auch Ängste, unter anderem gegenüber ansteigender Kriminalität im Ort geäußert. Ulf Döhring, Leiter der zentralen Aufnahmestelle am Haart in Neumünster, erläuterte anhand seiner 14-jährigen Erfahrung, dass es zwar Straftaten gebe. „Diese unterscheiden sich aber nicht von allgemeinen Straftaten in anderen Gesellschaften“, sagte er. Tatsächlich gebe es im Haart keine Probleme. Auseinandersetzungen seien selten. „Wir arbeiten hier seit 20 Jahren nach dem Konzept, dass die Akzeptanz umso größer ist, je mehr Willkommenskultur geleistet wird. Und wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, führte er aus.

Um die Nutzung der Kaserne gemeinverträglich zu gestalten, verabschiedete die Gemeindevertretung zum Ende der Sitzung schließlich einstimmig eine Petition an die Landesregierung. Das Land wird aufgefordert die Anzahl der unterzubringenden Asylbewerber auf maximal 250 Personen zu korrigieren.

Außerdem soll die Personenzahl auf die Aufnahmequote des Kreises Segeberg angerechnet werden (bisher 630 Personen/Stand Juni). Innerhalb der Einrichtung soll eine umfassende soziale und medizinische Betreuung sowie auch eine permanente Polizeipräsenz sichergestellt sein.

Die Nutzung der Einrichtung soll verbindlich auf fünf Jahre festgeschrieben werden und die Landesregierung soll sich verpflichten, die Gemeinde über zukünftige Planungen im Zusammenhang mit der Aufnahmestelle frühzeitig zu unterrichten.

Mit diesen Forderungen sowie mit einem umfassenden Fragenkatalog soll sich das Innenministerium auseinandersetzen. Die Antworten erwarten die Boostedter zur Einwohnerversammlung, die für den 8. Oktober ab 19.30 Uhr im Hof Lübbe angesetzt ist.

Kommentar: Chancen sehenEs gab kaum einen Zweifel, dass es so kommen würde: Ein Teil der Rantzau-Kaserne  wird zur Zweigstelle der Landesunterkunft, und Boostedt wird bis zu 500 Flüchtlinge aufnehmen. Die Gemeinde Boostedt tut gut daran, weiterhin so besonnen zu reagieren wie bisher, die Bürger mit ins Boot zu nehmen und die Chance zu nutzen, sich als gastfreundliche Gemeinde  zu präsentieren. Boostedter könnten zum Beispiel Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen, sie ein Stück in der Fremde begleiten und das Verständnis  auf beiden Seiten fördern.Und noch eines: Wenn die Bundeswehr die Rantzau-Kaserne Ende 2015 geräumt hat, werden Asylbewerber noch einige Jahre dort bleiben. Seit zwei Jahren versucht die Gemeinde, Konzepte für die Nachnutzung des Kasernen-Geländes zu finden – bisher vergeblich. Vielleicht eröffnet die Flüchtlingsunterkunft auch hier neue Perspektiven.

BOOSTEDT | In der Gemeinde Boostedt wird die Einrichtung der neuen Außenstelle der Landesunterkunft, in die 500 Flüchtlinge einziehen sollen, heftig diskuktiert – allerdings nicht öffentlich. Mit Namen und Foto will kaum jemand in der Zeitung auftauchen. „Kein Kommentar“ heißt es unter anderem bei Edeka-Grümmer in der Neumünsterstraße.

Auch die Passanten im Ort sind alles andere als redselig. „Dazu möchte ich mich nicht äußern“, sagt eine ältere Dame. Viele andere winken beim Thema Flüchtlinge direkt ab und ziehen von dannen. Die meisten Boostedter vermitteln den Eindruck, lieber gar nichts sagen zu wollen anstatt etwas Falsches, das sie als fremdenfeindlich kennzeichnen könnte.

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BOOSTEDT:„Wir fühlen uns überrumpelt“

BOOSTEDT:Ulf Döhring leitet die neue Außenstelle

Friseurmeisterin Sabine Behrami (50) aus Boostedt hat dagegen eine klare Meinung zur Unterbringung der Flüchtlinge in der Rantzau-Kaserne. „Die Menschen, die aus den Kriegsgebieten kommen, tun mir leid. Und ich finde, da hier der Platz vorhanden ist, sollte man sie auch unterbringen.“

Doris Holst (58) sieht die Angelegenheit skeptischer. „Ich finde, dass 500 Asylbewerber zu viele sind. Ein Problem sehe ich auch in der Unterbringung und dem Unterrichten der Kinder“, sagt die Hausfrau aus Boostedt.

Dagmar Drummen, Schulleiterin der Grund- und Gemeinschaftsschule in Boostedt, befürwortet die Unterbringung grundsätzlich. „Allerdings müssen die Rahmenbedingungen für die Flüchtlinge und die Gemeinde gewährleistet sein. Ganz wichtig sind der interkulturelle Austausch und Transparenz“, sagt sie.

Pastor Thomas Lemke von der Bartholomäus-Kirchengemeinde äußerte sich positiv zu der Thematik. „Wir reagieren natürlich grundsätzlich mit Offenheit auf die Tatsache. Ich habe bereits in den vergangenen Wochen in meinen Gottesdiensten die Frage gestellt, was unsere konkrete Aufgabe in dieser Situation ist. Viele Menschen bekommen das Thema Flüchtlingsproblematik im Fernsehen mit – aber einen Fernseher kann man jederzeit ausschalten. Jetzt betrifft es uns direkt, und daher sind wir nun gefordert.

Das ist für uns alle eine ganz neue Situation.

Wir müssen jetzt gucken, wo unsere Kapazitäten sind und was gebraucht wird. Wir werden uns weiter mit dem Thema auseinandersetzen und die neue Sachlage auch am Donnerstag im Kirchengemeinderat gemeinsam besprechen. Allein von der Logistik betrachtet bietet sich die Rantzau-Kaserne an.

Über das Wie müssen wir diskutieren, über das Was gibt es keine Diskussion“, sagt er.

BOOSTEDT:Ulf Döhring leitet die neue Außenstelle

vom 24. September 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es wird mit mehr Flüchtlingen gerechnet. Die Außenstelle in Boostedt soll für Entlastung sorgen.

BOOSTEDT | Seit 1. März 2000 ist Ulf Döhring (53) bereits Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart in Neumünster. Nun bekommt er die Außenstelle in Boostedt dazu.

„Der Aufbau ist eine Herausforderung, doch neu ist die Situation für mich nicht“, sagt der Jurist und Regierungsdirektor. Als er vor fast 15 Jahren anfing, wurde zwar die Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Flensburg wegen sinkender Asylbewerberzahlen geschlossen. Doch neun Jahre gehörte die Unterkunft in Lübeck zu seinem Zuständigkeitsbereich, ehe auch diese wegen des weiter abebbenden Zustroms dicht gemacht wurde. Seitdem ist Neumünster als einzige zentrale Stelle im Land für alle Asylsuchenden, Flüchtlinge und Spätaussiedler, die in Schleswig-Holstein ankommen, zuständig. Sie ist für 400 Menschen ausgelegt.

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BOOSTEDT:Flüchtlinge in der Kaserne: Offenheit, Skepsis und beharrliches Schweigen

Derzeit ist Döhring Chef von 29 Behörden-Mitarbeitern, sieben bis neun neue werden in Boostedt hinzukommen. Die Stellen werden regulär ausgeschrieben. Doch es werden nicht die einzigen bleiben. Döhring strebt an, wie schon in Neumünster auch in der Rantzau-Kaserne einen Betreuungsverein – etwa das Deutsche Rote Kreuz – anzusiedeln. Außerdem soll es ebenfalls eine Polizeidienststelle und Lehrer für den Unterricht der Kinder geben. „Zudem werden wir aus den Erfahrungen hier in Neumünster heraus auch wieder einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, um sicherzustellen, dass die Einrichtung rund um die Uhr erreichbar ist.“

Wann der Umzug erfolgt, steht für Döhring noch nicht fest. „Ab 1. November überlässt die Bundeswehr dem Land die vier Kasernen-Blöcke. Dann wird die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) mit dem Umbau der Liegenschaft beginnen. Das wird aber einige Wochen dauern“, so der Landesamt-Leiter. Die GMSH als Anstalt des öffentlichen Rechts wird auch die Bewirtschaftung des Geländes und des Gebäudes übernehmen.

Eines steht für Döhring schon fest: „Die Lösung in Boostedt entlastet die derzeit angespannte Situation, denn wir rechnen in den kommenden Wochen mit deutlich steigenden Zahlen von Flüchtlingen. Schließlich steht der Winter vor der Tür.“ Die Unterkunft in Neumünster platzt aus allen Nähten (der Courier berichtete). Sobald die Rantzau-Kaserne bezugsfertig ist, soll aber das zusätzliche Zelt, das bereits am Haart aufgestellt wurde, wieder verschwinden. „Das brauchen wir dann nicht mehr“, so Döhring. Die Unterkunft der Asylsuchenden im Zelt hatte für viel Kritik gesorgt.

Presseitteilung: Holsteinischer Courier  vom 24.09.2014

Pressemitteilung HC 24092014-001 Korrektur

Presseitteilung: Segeberger Zeitung vom 23.09.2014

Segeberger Zeitung vom 23.09.2014

Segeberger Zeitung vom 23.09.2014

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Pressemitteilung: Hamburger Abendblatt vom 16.09.2014

Die Rantzau-Kaserne in Boostedt als Asyl für Flüchtlinge

Die Landesregierung will etwa 500 Menschen in vier Blöcken der leer stehenden Kaserne in Boostedt unterbringen. Für die Städte und Kommunen im Kreis Segeberg könnte das eine erhebliche Entlastung bedeuten.

Norderstedt/Boostedt. Vielleicht muss Norderstedt die Option Turnhalle bei der Unterbringung von Flüchtlingen doch noch nicht ziehen (wir berichteten). Die Landesregierung hat angekündigt, in den leer stehenden Gebäuden der Rantzau-Kaserne in Boostedt etwa 500 Flüchtlinge unterbringen zu wollen. Für die Städte und Kommunen im Kreis Segeberg könnte das eine Entspannung der Situation bedeuten. Nämlich dann, wenn die 500 Menschen auf das Kontingent angerechnet würden, das der Kreis insgesamt von den im Land ankommenden Flüchtlingen aufzunehmen hat.

Sollte die Kaserne in Boostedt in Zukunft voll nutzbar sein, um dort Flüchtlinge unterzubringen, könnte der Kreis Segeberg dort einen erheblichen Teil der ihm zugewiesenen Menschen unterbringen. Dies würde für die Stadt Norderstedt bedeuten, dass sich unser Kontingent zunächst erheblich verringert“, sagt Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote. Die Unterbringung der Flüchtlinge in Boostedt sei aber keine Dauerlösung, betont Grote.

„Die Boostedter Kaserne würde uns in Norderstedt bei der Planung ein wenig Luft verschaffen. Und in die Turnhalle müsste zunächst keiner einziehen“, sagt Thomas Jäger, SPD-Stadtvertreter und Mitglied des Kreis-Sozialausschusses. Dort hatte Landrat Jan Peter Schröder die Abgeordneten über die Pläne der Landesregierung in der Boostedter Kaserne informiert.

Laut Jäger habe Schröder es als beschlossene Sache bezeichnet, dass die 500 Flüchtlinge im Falle ihres Einzuges in Boostedt dem Kreis Segeberg angerechnet würden. Entsprechend käme die Aktion allen Städten und Gemeinden zugute. In den Nachbarkreisen würde diese geplante Regelung bereits für Verstimmung sorgen, weil dort die Lage nach wie vor angespannt bleibe.

Im Innenministerium gibt man sich defensiver bei der Frage nach Anrechnung: „Ob es sie geben wird – so wie das ja auch bei der zentralen Aufnahme in Neumünster der Fall ist – wird einer der Punkte sein, die bei einem Bezug der Kaserne diskutiert werden müssen“, sagt Ove Ralph, Sprecher des Ministeriums in Kiel. Doch ob überhaupt und wenn ja, wie schnell die Kaserne für die Flüchtlinge bezugsfertig gemacht werden kann, stehe noch nicht fest. Der Bundeswehr liegt derzeit eine „Anfrage auf Amtshilfe“ vor, über die das Bundesverteidigungsministerium entscheiden muss. In der Rantzau-Kaserne könnten in vier Blöcken zwischen 450 und 500 Menschen untergebracht werden. „Wann die Entscheidung fällt, ist noch offen“, sagt Ullrich Burchardi vom Landeskommando Schleswig-Holstein. Laut Innenministerium prüfe das Kommando für territoriale Angelegenheiten in Berlin die Angelegenheit. Eine Antwort wird in diesem Monat erwartet.

Wenn das Ministerium die Gebäude für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung stellt, müssten die Immobilien aus dem militärischen Sicherheitsbereich ausgegliedert und mit einem Zaun von der Kaserne getrennt werden. Auch eine eigene Zufahrt sei erforderlich. „Das wäre alles sehr aufwendig“, sagt ein hochrangiger Offizier gegenüber dem Abendblatt. „Doch der politische Druck ist groß.“ Die Gebäude der Kaserne stehen leer, da die beiden in Boostedt stationierten Bataillone für Instandsetzung und Logistik aufgelöst werden. 2015 soll die Bundeswehr endgültig aus der Kaserne ausziehen.

„Das Ministerium strebt an, die Kaserne so schnell wie möglich als Untermieter zu beziehen. Unabhängig von der Entscheidung der Bundeswehr bereiten wir die nötigen Schritte auch jetzt schon vor“, sagt Ministeriums-Sprecher Ralph. Damit meint er nicht nur die zivile Einrichtung für die Kasernen-Gebäude, sondern auch die Klärung der Fragen, wie die Betreuung der Kinder und Jugendlichen vor Ort und die „vernünftige Sicherung der Anlage durch Polizeibestreifung“ aussehen könnte.

Die Stadt Norderstedt arbeitet unterdessen mit Hochdruck an der Schaffung zusätzlicher Unterbringungsmöglichkeiten. Neben Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen wird nun auch die Umwandlung von Büroräumen zu Wohnzwecken geprüft. Oberbürgermeister Grote: „Im bestmöglichen Fall gelingt es uns, in diesen Bürogebäuden auch Deutsch-Seminare und Kinderbetreuung anzubieten.“ Die Investitionen für den Neubau von Unterkünften oder die Umgestaltung von Büros seien erheblich. „Wir rechnen mit mehreren Millionen Euro“, sagt Grote.

Auch was die ständige Betreuung der Flüchtlinge vor Ort angeht, wird die Stadt offenbar auf den Kosten sitzen bleiben. „Es wird keine Umverteilung der Landesmittel für die Betreuung der Flüchtlinge vom Kreis auf die Städte und Kommunen geben. Diese Service-Leistung bleibt bei der Kreisverwaltung“, sagt Thomas Jäger. Trappenkamp, Kaltenkirchen und auch Norderstedt hatten dies beantragt, um vor Ort feste Betreuer für die Flüchtlinge einzustellen. Momentan bietet der Kreis nur stundenweise Betreuung an allen Standorten an.

PLATZNOT:Flüchtlinge wohnen im Zelt

vom 6. September 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Landesunterkunft am Haart ist voll. Ein 200 Quadratmeter großes Zelt mit Dixi-Toiletten bietet nun Platz für weitere 54 Männer.

Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, zeigt das Zelt, in dem bis zu 54 Personen Platz finden.

Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, zeigt das Zelt, in dem bis zu 54 Personen Platz finden.

Foto: Lipovsek

NEUMÜNSTER | Die Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten der Welt machen sich deutlich auch in Neumünster bemerkbar: Die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung für Schleswig-Holstein in der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart ist komplett belegt.

460 Asylbewerber halten sich derzeit in der auf 400 Personen ausgerichteten Unterkunft auf. Alleine am vergangenen Wochenende kamen 85, am Wochenende davor sogar rund 90 Personen. Im gesamten August standen 730 Flüchtlinge vor der Pforte, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Und die Tendenz ist weiter steigend. Um die Aufnahme unverändert zu gewährleisten, hat das Landesamt nun ein Zelt mit Feldbetten auf dem Sportplatz aufgebaut. Es bietet Platz für 54 weitere Personen.

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PLÄNE FÜR DIE RANTZAU-KASERNE:500 Flüchtlinge sollen nach Boostedt

„Gedacht ist es ausschließlich für Männer“, sagt Ulf Döhring, Leiter der Einrichtung. Er sieht die Lage nach wie vor entspannt: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind wir gut aufgestellt. In Berlin musste die Erstaufnahme-Einrichtung geschlossen werden. Dort sieht es ganz anders aus.“ Die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kreise immer dienstags und donnerstags laufe derzeit im beschleunigten Verfahren. So werde auch zügiger wieder Platz geschaffen. Neumünster selbst muss dadurch keine Flüchtlinge auf Dauer aufnehmen.

Das Zelt ist ausgestattet mit einer Heizung, Licht und Fußboden. In der Mitte stehen Bänke und Tische zum Essen. Vor dem Zelt sind zehn mobile Toilettenkabinen aufgebaut, ein paar Schritte weiter haben die Flüchtlinge die Möglichkeit, mobile Container-Duschen zu nutzen. „Das Zelt ist wirklich nur als Eingangsstation gedacht, gerade am Wochenende. Sobald Betten in den Häusern frei werden, erfolgt der Umzug dorthin“, sagt Döhring.

Von einer Notlösung spricht Ove Rahlf vom Kieler Innenministerium. „Wir wollen keine Zeltstadt errichten.“ Stattdessen setze sich die Landesregierung für einen schnellen Ausbau der Landesunterkunft in der Scholtz-Kaserne ein. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hatte bei einem Besuch vor einem Jahr rund fünf Millionen Euro für die Sanierung und den Ausbau der ehemaligen Kasernengebäude zugesagt. Dabei bleibe es. Doch die Erweiterung wird noch eine Weile dauern. Für die kurzfristige, vorübergehende Unterbringung von 400 bis 500 Flüchtlingen hat das Land deshalb einen Teil der Boostedter Rantzau-Kaserne ins Auge gefasst – sozusagen als Außenstelle des Landesamtes (siehe Bericht unten). „Das soll aber nur zeitlich befristet sein, bis sich die Lage wieder entspannt hat“, so Rahlf. Pläne für eine Verlagerung der Landesunterkunft gebe es nicht. „Neumünster liegt zentral, und die Rahmenbedingungen passen.“

Innenminister Andreas Breitner (SPD) hofft nun, dass die Bundesregierung seinen Vorschlag eines nationalen Flüchtlingsgipfels zügig aufgreift. „Wir können die Aufgaben als Land nicht alleine meistern, sondern nur gemeinsam im Dialog mit dem Bund und den Kommunen“, sagt er.

Pressebericht: Segeberger Zeitung vom 06.09.2014

Pressebericht: Segeberger Zeitung vom 06.09.2014

Standpunkt Holsteinischer Courier vom 06.09.2014

Standpunkt
Holsteinischer Courier vom 06.09.2014

Boostedt Asylbewerber in die Rantzau-Kaserne?

Boostedt

Pläne für die Rantzau-Kaserne: 500 Flüchtlinge sollen nach Boostedt

vom 6. September 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Land ist in Not und braucht dringend eine Zweigstelle der zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber.

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Staatssekretär Bernd Küpperbusch (links) informierte Bürgermeister Hartmut König über die Pläne der Landesregierung.

Boostedt | Nun ist es offiziell. Die Landesregierung will 400 bis 500 Asylbewerber in Teilen der Rantzau-Kaserne in Boostedt unterbringen. Das bestätigte Bernd Küpperbusch, Staatssekretär im Innenministerium, gestern bei einem Besuch in Boostedt bei Bürgermeister Hartmut König (CDU).

Geplant ist zurzeit die Anmietung von vier Gebäuden, die mit einem Zaun vom Kasernengelände abgetrennt werden sollen. Ein entsprechender Antrag zur Amtshilfe wurde dazu an die Bundeswehr gestellt (der Courier berichtete).

Platznot : Flüchtlinge wohnen im Zelt

„Die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber am Haart in Neumünster ist total überlastet. Dort muss jetzt schon mit Zelten gearbeitet werden. Deshalb brauchen wir dringend weitere Unterkünfte, denn der Strom der Flüchtlinge wird nicht abreißen“, erklärte Bernd Küpperbusch. Noch sei bei der Bundeswehr nichts entschieden, doch die Not sei groß und man werde hier weiter verhandeln. Die Entscheidung zum Antrag werde zurzeit im Kommando für territoriale Angelegenheiten in Berlin geprüft. Eine Antwort wird in diesem Monat erwartet.

„Es wurden auch andere Gemeinden geprüft. Doch die Nähe zum Haart sowie auch die funktionierende Infrastruktur im Ort macht Boostedt zu einem guten Standort für eine Zweigstelle“, sagte Küpperbusch weiter. Natürlich dürfe man die Einwohner nicht überstrapazieren, aber die geplante Zahl der Plätze mache 10 Prozent der Einwohnerzahl aus. „Das ist für die Gemeinde zu verkraften. Wir wollen die Gemeinden nicht überfallen, wir wollen jedoch die Notlage deutlich machen, denn es werden noch Tausende Flüchtlinge erwartet“, sagte der Staatssekretär weiter.

Hartmut König reagierte auf die Mitteilung aus der Landesregierung abwartend. „Wir müssen jetzt sehen, was entschieden wird. Noch steht ja nicht fest, dass die Bundeswehr die Gebäude schon freigibt“, sagte er. Sicherlich existiere in der Bevölkerung Sorge vor dem Unbekannten, aber es sei auch eine menschliche Verpflichtung, den Flüchtlingen zu helfen. Dennoch brauche die Gemeinde bei einem positiven Entscheid dann die Unterstützung des Landes, erklärte König weiter.

Dieser Meinung schlossen sich auch die Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung auf Anfrage einstimmig an. „Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen, denn wir sind hier keine Insel der Seligen. Man muss den Leuten helfen, aber auch die Landesregierung muss das Ihre dazu beitragen“, sagte Wolfgang Brückner (CDU).

Für Manfred Stankat steht die Verpflichtung zur Hilfe ebenfalls außer Frage. „Natürlich sind die Menschen beunruhigt, aber mit jeder Sorge muss man auch rational umgehen. Gefordert ist hier jetzt ein intensiver Dialog mit dem Land“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD.

Auch für Marina Weber, die der Fraktion der FWB vorsteht, steht der Respekt vor den Ängsten und Nöten der Flüchtlinge im Vordergrund. „Doch es muss zeitnah einen Aufklärungstermin für die Politik und Bürger mit Verantwortlichen der Landesegierung geben, damit wir wissen, was hier eigentlich auf uns zukommt“, forderte sie.

Im Hinblick auf die Konversion des Kasernengeländes, bei der die Planungshoheit wieder an die Gemeinde übergeht, erläuterte der Leitende Verwaltungsbeamte Sven Plucas noch einen weiteren Aspekt zu den jetzt offen gelegten Plänen: „Wenn jetzt langfristige Mietverträge geschlossen werden, die über die Nutzungsdauer der Bundeswehr hinausgehen, werden Tatsachen geschaffen, die die Planungen der Gemeinde unter Umständen beeinträchtigen. Auch dieser Frage müssen sich die Beteiligten bei einer Entscheidung für Boostedt widmen.“

Segeberger Zeitung vom 04.09.2014

Segeberger Zeitung vom 04.09.2014

BOOSTEDT: Asylbewerber in die Rantzau-Kaserne?

vom 5. September 2014

Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landesregierung prüft die Belegung der Kaserne mit Asylbewerbern. Staatssekretär Bernd Küpperbusch besucht heute Boostedts Bürgermeister.

Foto: sh:z

BOOSTEDT | „400 Asylbewerber ziehen im Oktober in die Rantzau-Kaserne ein. Ein entsprechendes Gelände mit den benötigten Gebäuden wird bereits abgezäunt.“ Dieses und ähnliche Gerüchte sind in Boostedt immer wieder zu hören. Sicher ist, dass die Landesregierung prüft, ob in Boostedt Asylsuchende untergebracht werden können. Die Gemeinde weiß allerdings nichts davon.

Platz bietet das Kasernengelände in Boostedt genug. Möglicherweise könnten hier Flüchtlinge unterkommen. Das Land prüft das zurzeit.

Platz bietet das Kasernengelände in Boostedt genug. Möglicherweise könnten hier Flüchtlinge unterkommen. Das Land prüft das zurzeit.

Bürgermeister Hartmut König (CDU) bestätigte, dass er von diesem Gerede auch gehört habe, doch seien weder die Verwaltung noch die Gemeindevertretung von verantwortlicher Seite in dieser Angelegenheit bisher angesprochen worden. „Wir haben in diesem Zusammenhang sowohl telefonisch als auch schriftlich Anfragen an den Kreis gerichtet. Bis heute sind diese allerdings unbeantwortet geblieben“, sagte er.

Licht ins Dunkel dieser Gerüchteküche wird unter Umständen das für heute angesetzte Gespräch mit dem Staatssekretär des Innenministeriums, Bernd Küpperbusch, bringen. Der Staatssekretär hat sich angemeldet; unklar ist, ob es um das Thema Kaserne geht. „Sollte an der Geschichte etwas dran sein, und wenn auch nur in Teilen, halte ich es für unverantwortlich, die Gemeinde nicht über ein solches Ansinnen zu informieren“, erklärte König dazu.

Auf Anfrage bestätigte das Landeskommando (LKdo) Schleswig-Holstein derBundeswehr in Kiel, dass es ein sogenanntes Amtshilfeersuchen aus dem schleswig-holsteinischen Finanzministerium (im Auftrag des Innenministeriums) an die Bundeswehr gebe. Das Land kann sich vorstellen, Teile der Kaserne für Asylbewerber zu nutzen. „In dem Antrag geht es konkret um vier Gebäude auf dem Kasernengelände der Rantzau-Kaserne, die die Bundeswehr an die Bundesimmobilienanstalt (Bima) zurückgeben soll“, erklärte Oberstleutnant Ullrich Burchardi vom Landeskommando. Entschieden werde über den Antrag jetzt im Kommando für territoriale Angelegenheiten in Berlin. Einen Termin für einen Bescheid gebe es nicht. Seines Wissens nach gebe es auch keine Anträge auf Prüfung an anderen Standorten der Streitkräfte zur Freigabe von Unterbringungsmöglichkeiten.

„Wenn die Bundeswehr als Mieter den Komplex vorzeitig freigeben sollte, das heißt vor der endgültigen Schließung Ende 2016, steht er wieder unter der Verwaltung des Bundes, sprich der Bima. Wie, und ob dort Asylbewerber untergebracht werden, darauf hat die Bundeswehr dann keinen Einfluss mehr“, erläuterte Burchardi.

Hartwig Hardell von der Bima in Kiel ist mit dem Verkauf der Kaserne nach ihrer Schließung beauftragt. Er sagte: „Mir ist weder das Gerücht noch irgend eine Planung des Bundes bekannt.“